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Birgit Müller-Wieland

Leseprobe

 

Aus: Ruhig Blut, Innsbruck 2002

Mutterhaus

Unser Haus ist verbarrikadiert
in Stille
Zuweilen schlagen draußen Hufe
und lächelnd winken wir
enttäuschten Prinzen zu

In unserem Haus
breiten wir behutsam die Mäntel
nichts soll aus den Ritzen steigen
was dünne Haut
zerreißen könnte

Wir haben es nicht gerne kalt
schon gar nicht
an den Füßen
in unseren Kellern
tut sich viel

Wir spinnen uns
mit hellen Stimmen ein
Raupen im Hochzeitskleid
wir schlüpfen nie

 

Feuerpause

1
Daß ein Vulkan so gut
riecht war nicht zu ahnen
und wie weit die Häuser reichen
im Julidunst übersät von Ginstergold
Büschelmeer neapelgelb die Lavasteine hinauf
und die Nasenlöcher soffen sich voll mit Bergen von Duft

2
Oben der Krater karg und kahl wie zu erwarten schauten wir
kurzatmig ins Land hinein Kyme Herculaneum Pompeji
verschwimmende Städte in dicker Luft die oben war
dünner und klarer zu sehn wie still der Vesuv ist
wie gleichmütig sein Warten wie emsig
sein Werken tief unten im Kern

 

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